Hast du vor, aus einem bunt gemischten Haufen Klamotten eine brauchbare Grundgarderobe zu machen? Meinen Glückwunsch zu diesem Plan. Und es ist nicht immer einfach. Vor allem, wenn du bisher viele Kleidungsstücke im Impuls gekauft hast.
Im ersten Blogartikel zum Thema Grundgarderobe gab es schon viele Tipps von mir, wie du damit anfangen kannst. Aber hier soll es nun speziell darum gehen, wie es weitergehen kann. Und zwar, wenn die Theorie des strukturierten Kleiderschrankes und dein Kaufverhalten nicht zueinander zu passen scheinen.
Gesehen, gefallen, gekauft und sofort fester Bestandteil der Grundgarderobe geworden. Leider funktioniert das in vielen Fällen nicht. Denn wir neigen dazu, dass Nachdenken außen vor zu lassen, wenn impulsiv geshoppt wird.
Oft heißt es nach oder der Shoppingtour oder dem Kaufrausch: „Oh, da bin ich wohl schwach geworden!“, und dabei ist es egal, ob es offline oder online ist. Es passiert und darum sollten wir darüber reden, was du dann machen kannst. Besser, du weißt Bescheid, als dass du immer denkst: „Ich darf nie mehr mit Spaß Kleidung kaufen, wenn ich eine Grundgarderobe haben und nutzen möchte.“
Zum einen stimmt es nicht, dass Klamotten einzukaufen nur Spaß machen kann, wenn es spontan und ungeplant stattfindet. Und außerdem ist es in den meisten Fällen keine Katastrophe oder Versagen, wenn es passiert. Es ist höchstens ein Schluckauf!
Lass uns einen Plan machen, um für die Zukunft besser mit den verflixten Shopping-Situationen umgehen zu können.
Darum geht es hier
Nutze die W-Fragen
Diese Fragen lernten wir schon in der Grundschule, für Aufsätze, Berichte u.v.m. Ich nutze sie seit Jahren auch, wenn ich eine Situation bewerten und beurteile möchte, mit der ich nicht zufrieden bin. Denn vor der Veränderung steht erst einmal eine Bestandsaufnahme, die Ist-Analyse.
Ich unterscheide dabei Einflüsse, die mein Handeln von außen in eine bestimmte Richtung lenken. Und solche, die hauptsächlich von innen kommen. Und als dritter Bereich mein soziales Umfeld.
Einflüsse von außen: Wie und Was
An erster Stelle steht eigentlich diese Frage: Was triggert in dir das Verlangen oder den Wunsch nach Klamottenshopping? Wir möchten bestimmen, was genau die „richtigen Knöpfe“ drückt. Die einen dann losmarschieren lassen, um sich vom (meist) hart erarbeiteten Geld zu trennen im Tausch mit einem Stückchen Stoff.
Also, stell dir mal die Frage nach deinen Kauftriggern. Und bitte ohne schlechtes Gewissen. Wir leben in einer Welt, in der du von allen Seiten mit vielen Facetten der Marketing-Psychologie bombardiert wirst. Und da werden ganz bewusst Reize verwendet, auf die viele Menschen reagieren – ohne erst mal Nachzudenken.
Sind es Worte wie ‚Sonderangebot‘, ‚Schlussverkauf‘ oder ‚Sonderverkauf‘, die in dir den Kaufreiz auslösen, dann bist du in guter Gesellschaft. Die Verknappung eines Produktes (die auch real bestehen kann) macht es für viele unwiderstehlich:“ Wenn ich das nicht jetzt sofort kaufe, ist es weg – für immer.“
Leider tritt dann, wenn unser Reptiliengehirn befürchtet, etwas zu verpassen, die Vernunft in den Hintergrund. Die vordergründige und logische Frage: „Brauche ich das wirklich?“ wird einfach nicht gestellt. Und das kurzfristige Erfolgserlebnis Ich- habe-es-erwischt überdeckt zusätzlich noch diese vernünftigen Gedanken.
Eins ist sicher: wenn dieser Mechanismus nicht so gut funktionieren würde, dann gäbe es nicht so viele ‚einmalige‘ Sonderangebote. Sei dir dessen einfach bewusst.
Einflüsse von außen: Wann
Hast du schon einmal beobachtet, wann du besonders ‚anfällig‘ für Shopping bist? Für jeden sind die zeitlichen und saisonalen Auslöser anders.
Bist du eher ein Nesthocker, trifft es dich eher bei Schlechtwetterlagen. Wenn du hingegen der ‚Raus-Ins-Freie-Typ‘ bist, macht die bevorstehende Draußen-Saison Lust zum Einkaufen. Oder der heiß ersehnte Urlaub, für den man sich ‚zur Feier des Tages‘ neu in Schale werfen möchte.
Vielleicht nutzt du auch gerne Anlässe wie Feste, Familienereignisse oder die nächste Betriebsweihnachtsfeier dafür, einen Klamotten-Kauf als Notwendigkeit zu markieren. Für einen speziellen Anlass zu kaufen, kann super funktionieren, wenn du dadurch sehr fokussiert vorgehst.
Allerdings hat dieser Anlass zumeist einem klaren Enddatum. Das kann leider auch dafür sorgen, dass du in Stress gerätst, wenn du nicht fündig wirst oder dich verzettelst. Dann besteht leider die Wahrscheinlichkeit, dass du mehr kaufst und trotzdem unzufrieden mit dem Ergebnis bist.
Die Problematik saisonaler Kauf-Trigger sehe ich bei Strickerinnen oft in der Zeit vor Weihnachten. Der Wunsch und Ehrgeiz, dann möglichst viele schöne selbstgestrickte Dinge zu verschenken, verursacht oft Stress bereits beim Garneinkauf. Bloß nicht auf halber Strecke ohne Garn dastehen, scheint eine der großen Sorgen zu sein.
Einflüsse von außen: Wo
Dann bleibt noch die Frage nach dem Wo zu klären. Wo erwischt sie dich meist, die Shopping-Laune? Während du entspannt auf dem Sofa sitzt und dich durchs Internet treiben lässt? Diese Gefahrenquelle kenn ich gut.
Verführerisch sind auch die Gelegenheiten, bei denen wir ‚eh‘ schon unterwegs sind: wöchentlicher oder monatlicher (Familien-) Einkauf, für den wir uns Zeit nehmen. Da ist man sowieso im Jagdmodus, da können gleich noch neue Kleidungsstücke mit erlegt werden.
Oder du bist eine Käuferin, die sich gerne in der entspannten Stimmung im Urlaub Zeit fürs Schauen und Kaufen nimmt. Ein Problem ist da meistens: Anprobe mit deinen vorhandenen Kleidungsstücken schwierig bis unmöglich. Die hast du ja meist nicht dabei.
Ganz ehrlich: ich halte das Urlaubsshoppen für die kritischste Situation. Vor allem, wenn wir zum Punkt: Behalten oder Zurückgeben kommen.
Einflüsse von innen: Wieso
Wenn nun alle die äußeren Einflüsse wegfallen würden, was bliebe übrig? Das sind dann die Faktoren, die innere Impulse und Antriebe bilden. Denn, selbst wenn du die Klippen der Außeneinflüsse umsegelst, bist du noch nicht im sicheren Hafen angekommen.
Öfter, als wir uns eingestehen möchten, sind es diese inneren Antreiber, die uns den ‚Jetzt kaufen‘ Knopf drücken oder die EC-Karte ziehen lassen. Vielleicht langweilen wir uns gerade, sind unterfordert oder müde.
Manchmal suchen wir auch eine kurzfristige Erleichterung in einer frustrierenden Situation. Gerade als Mutter von Kindern kann es wie ein kleiner Lichtblick sein. Eine Art Durchschnaufen, wenn es mit denen gerade schwierig oder anstrengend ist. Du hast mein volles Verständnis!
Und das ist ein weiterer Faktor: sich zu belohnen. Ob das nun notwendig ist, kann man nur selbst beurteilen. Oft genug ist es ein inneres Bedürfnis, sich für/wegen der schwierige Situation XY mit einem neuen Kleidungsstück Mut zu machen. Oder sich danach zu belohnen. Wahlweise auch mit neuer Wolle.
Oder dir kommt ein äußerer Anlass ganz gelegen, einen Klamotten-Kauf konsequent ‚durchzuziehen‘. Etwas, worauf du schon lange ein Auge geworfen hast – jetzt hast du einen legitimen Grund dafür…vor dir selbst und anderen. Dabei brauchst du diese Rechtfertigung vielleicht gar nicht!?
Ganz oft sind es aber auch fehlende Ideen. Nämlich, wie und was du von deinen Kleidungsstücken zusammen kombinieren kannst. Da scheint es einfacher, wieder mit etwas ganz Neuem zu starten. Etwas, bei dem Kombinationsmöglichkeiten schon im Laden, Prospekt, Internet-Seite vorgeschlagen werden. Für die Zukunft als Kombis-Selberbastlerin wirst du allerdings wenig lernen, wenn du vorgegebene Kombinationen kaufst.
Soziales Umfeld: Wer
Je nachdem, wie es in deinem Freundes-, Bekannten- oder Familienkreis aussieht, kann das auch ein Trigger für deine Kaufimpulse sein. Natürlich kleiden wir uns auch für andere und versuchen, eine bestimmte Wirkung zu erzeugen.
Im besten Fall sind wir uns bewusst, dass wir alle einem gewissen sozialen Druck ausgesetzt sind. Bei der Arbeit, beim Sport, bei Kunden aber auch im privaten Bereich. Wenn nicht, kaufen wir, ohne darüber nachzudenken, das neue Sport-Outfit, das neue Business Kostüm oder das sündteure Designer T-Shirt: um andere Menschen zu beeindrucken. Frei nach dem Motto: Kleider machen Leute. Dabei stimmt das heute in vielerlei Hinsicht nicht mehr!
So viel zu den Einflüssen, die vor und bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielen. Auch wenn sie sich im Schatten halten, haben wir sie kurz beleuchtet.
Doch was passiert denn nun eigentlich, nachdem wir schwach werden?
Konsequenzen des Schwach-Werdens
Dann starten wir mit dieser Frage: wie definierst du, für dich persönlich, den Ausdruck ‚schwach werden‘?
- Hast du einen offensichtlichen Fehlkauf (Farbe, Passform, Material) getätigt?
- Plagt dich nach dem Kauf ein schlechtes Gewissen wegen der Geldausgabe?
- Fehlt die Freude über das neue Stück, trotz all der eigenen Überzeugungsversuche?
- Fühlt es sich nach Versagen an, wenn du gedankenlos geshoppt hat?
- Oder es ist anders, als ich es hier schildere?
Ganz schade ist es, wenn aus lauter schlechtem Gewissen oder Ärger über den Kauf das neu erworbene Kleidungsstück versteckt wird. In einer dunklen Ecke des Kleiderschranks, einer Kiste, unter anderen Klamotten…
Denn sind die Sachen erst mal aus den Augen, um das Gewissen zu beruhigen, sind sie auch ganz schnell aus dem Sinn. Und dann ist es wirklich rausgeworfenes Geld.
Bitte gestehe dir lieber ein: „Das war ein Fehler!“
Es ist nicht das Ende der Welt und in den meisten Fällen sogar reversibel. Denn eine Rückgabe ist meistens möglich, da unterstützt dich die Gesetzgebung.
Man kann und darf sich irren beim Kauf von Bekleidung, und natürlich auch von Wolle! Ein Fehlkauf ist keine Bankrott-Erklärung für deine Fähigkeit, vernünftig zu sein. Du kannst und solltest auf jeden Fall nach dem Kaufrausch prüfen, ob die neue Errungenschaft zu deinen anderen Kleidungsstücken passt.
Wenn darauf die Antwort nein ist, du den Kassenbon hast und der Laden in deiner Nähe ist, solltest du nicht lange zögern. Bringe umgehend die ungetragenen Sachen zurück, und wappne dich für eventuelle Seitenblicke. Aber sich geirrt zu haben ist kein Grund dafür, sich vor dem Verkaufspersonal entschuldigen zu müssen.
Das gilt auch für den Kauf in Internet: du hast zwar den Aufwand, das Paket mit der Fehlbestellung zur Post zu bringen. Es kann auch sein, dass du Rückporto zahlen musst. Meistens ist das trotzdem billiger als die Kleidung zu behalten!
Bedenke auch, dass das Geld für deinen Kleiderkauf eventuell an anderer Stelle und für wichtigeres fehlt. Vor allem die nachträgliche Rechnungsstellung macht es verführerisch einfach, einzukaufen und zu tragen, bevor man dafür bezahlt hat. Diese Kosten kommen dann vielleicht zur Unzeit auf dich zu.
Grundsätzlich solltest du dir darüber im Klaren sein, wie wichtig für deine Garderobe Qualität und/oder Quantität sind. Denn für den gleichen Betrag X könntest du 3 günstigere oder 1 hochwertigeres Teil bekommen. Das ist eine Grundsatzentscheidung, die du einmal treffen solltest. Und nicht immer wieder, mit wechselnden Antworten.
Und damit kommen wir schon auf die Zielgerade.
Lösungen für die Zukunft: raus aus dem Kaufrausch
Doch das eigentliche Ziel ist es, in Zukunft Shopping zu vermeiden, dass dir mehr Frust als Nutzen bringt. Darum solltest du aus den bisher gemachten Fehlern lernen. Du kannst jetzt diese Fragen beantworten:
- Warum habe ich dieses Kleidungsstück gekauft?
- Was waren dabei die Trigger? (äußere, innere, soziale)
- Ist mir das schon (öfters) auf ähnliche Weise passiert?
- Warum ist es für mich ein Fehlkauf?
- Kann ich diese Kauf-Situationen vermeiden? Wie?
Grundsätzlich solltest du auch immer nach Möglichkeiten Ausschau halten, um den Kauf rückgängig zu machen. Auch wenn das Aufwand an Zeit und Geld bedeutet, bekommst du meist den Löwenanteil deiner Ausgabe zurück. Und den Rest verbuchst du als ‚Lehrgeld‘.
Tipp 1 Rückgabe und Rückbuchungen
Behalte die Rückbuchungen auf dein Konto im Auge. Das kann sehr motivierend wirken, aber bitte nicht gleich wieder als Ausgabe einplanen.
Schwierig wird es mit der Rückgabe, wenn du z. Bsp. im Urlaub in den Kauf-Strudel hineingeraten bist. Darum überlege dir auch, ob du das entspannte Shoppen am Urlaubsort von vornherein begrenzen willst. Dabei könnte ein Zeit- oder Geldlimit helfen. Oder du machst aus deinem ‚Fehlkauf‘ ein Urlaubsmitbringsel für einen lieben Menschen.
Was du dringend erstellen solltest, ist eine Shopping-Liste. Ja, du liest richtig. Deine ganz persönliche ‚Alles-was-ich-wirklich-brauche‘-Liste. Vor allem wenn du eine gute, vollständige Grundgarderobe anstrebst.
Diese Shoppingliste hilft dir auch, die notwendigen Artikel im Blick zu behalten. Bei Angeboten kannst du so schnell und zielstrebig zugreifen: du brauchst es und bekommst es zu einem Preis, der besser ist als erhofft, hurra!
Tipp 2 Shoppingliste
Mache dir diese Gedankenstütze-Shoppingliste in einem Format, dass du immer dabei hast. Ob auf dem Handy oder als Zettel in Papierform, ist egal. Oft reicht schon ein kurzer Blick darauf, um deinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen, ob nun gerade diese bedruckte Seidenbluse noch einen Platz in deiner Grundgarderobe finden wird.
Zu guter Letzt noch ein Gesichtspunkt, der gern vergessen wird.
Du bist vernünftig und zurückhaltend beim Kleidungskauf geworden. Aber Spaß, Freude und Erfolgserlebnisse sollen dir deshalb nicht verloren gehen.
Tipp 3 Belohnungen
Finde für dich mindestens 5 positive Aspekte, die du als Belohnung ansehen kannst… anstatt des Klamottenshoppings! Was bekommst du Gutes anstatt des Kleidungsstücks?
Zeit für Entspannung anstatt der Zeit fürs Shoppen? Ein Treffen mit der Freundin im Lieblings-Café? Den exklusiven Kalligrafie-Workshop?
Am besten schreibst du dir diese Ideen auf und setzt sie dann, als Belohnung, auch wirklich um.
Fazit
Anstatt dich über dich selbst zu ärgern, kannst du aus deinen Shopping-Fehlern viel lernen. Wenn du deine Kauf-Trigger kennst, wirst du nicht mehr so leicht davon eingefangen. Du bist nicht mehr das Opfer von Verkaufstricks und kannst auch verlockenden Angeboten widerstehen.
Wenn du dich selbst kennst, stolperst du nicht ins Shopping hinein, sondern bist vorbereitet. Dabei hilft dir deine persönliche, gut durchdachte Shoppingliste, die du stets griffbereit hast.
Nutze, wenn irgend möglich, die Rückgabemöglichkeiten. Auch, wenn sie zusätzlichen Aufwand bedeuten und du erst mal noch mehr Zeit und Geld investieren musst. Diese Unbequemlichkeit kann außerdem einen heilsamen Dämpfer auf den nächsten Kaufrausch setzen.
Vergiss vor allem nicht, dir erfreuliche und anstrebenswerte Belohnungen zu überlegen. Die du dir gönnst, wenn du nicht schwach geworden bist.
Viel Erfolg!
DIES IST EINER DER BLOGARTIKEL IN DER MINISERIE „GRUNDGARDEROBE“
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Bärbel Röder meint
Hallo Beatrix,
deine Blogs zum Thema Grundgarderobe finde ich sehr interessant. „ Sehr empfehlen kann ich dir für den Einstieg ins Thema Grundgarderobe diese coole Entscheidungshilfe samt Checkliste“ – wo finde ich das?
Danke & viele Grüße von Bärbel
Beatrix meint
Liebe Bärbel, es freut mich, dass du auf meiner Website und am Blog für dich interessante Inhalte gefunden hast. Die Entscheidungshilfe & ihre Inhalte wird gerade umgearbeitet und steht daher leider nicht zur Verfügung. Ich wünsche dir noch viel Spaß und gute Erkenntnisse bei den Strickheldinnen Liebe Grüße von beatrix