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STRICKHELDINNEN

Ganz entspannt zur erfolgreichen Strickerin werden.

Pullover rundgestrickt: wie du 10 häufige Probleme vermeidest

Pullover rundgestrickt: wie du 10 häufige Probleme vermeidest

Strick-Grundlagen, Tipps & Tools

Wenn dich der Blogartikel: Graue Pullover: rundgestrickt und wie geschaffen für deine Grundgarderobe inspiriert hat, die Nadeln zu schwingen, dann gratuliere ich dir!

Vielleicht hast du dich bereits für einen Pullover entschieden, der rundgestrickt ist. Sollten jedoch an einigen Punkten Schwierigkeiten auftreten, stehen dir diese praktischen Ratschläge hier zur Verfügung.

Oder du liest dies, bevor du startest? Denn du kannst vielleicht Antworten auf Fragen finden, die du dir bereits gestellt hast.

Gleich vorweg:

Das Thema Fertigstellung, vorrangig das Blocking (also, das Nass in Form bringen) ist komplex. Darum gibt es dazu auch einen eigenen Blogartikel, der dir ausführliche Schritt-für-Schritt-Informationen gibt.

Schauen wir uns nun häufig auftretende Probleme an, mit denen Anfänger (aber nicht nur die), oft zu kämpfen haben.

Darum geht es hier

  • 1. Welche Rundstricknadeln sind die richtigen?
    • Seillänge
    • Seilmaterial und Seildicke
    • Nadelspiel oder Rundstricknadeln?
  • 2. Was sind Maschenmarkierer und wieso benötige ich sie?
    • Geschlossenen Maschenmarkierer
    • Offene oder verschließbare Maschenmarkierer
  • 3. Welche Informationen brauche ich aus dem Schnittmuster der Anleitung?
  • 4. Was ist die Schwierigkeit mit Ärmeln bei der top-down Methode?
  • 5. Welche Anschlagsart soll ich für das Bündchen nehmen?
    • Fadenlänge
    • Gleichmäßigkeit und Festigkeit
    • Alternativer Anschlag – das Aufstricken
    • Provisorischer Anschlag – die flexible Anschlagsmethode
    • Zähl-Tipp für alle Methoden
  • 6. Welche Art von Zunahmen und Abnahmen muss ich machen?
  • 7. Was sind verkürzte Reihen und wofür sind sie relevant?
  • 8. Wieso sind Runden nicht das Gleiche wie Reihen?
  • 9. Wie behalte ich den Überblick bei der großen Zahl von Maschen und Reihen auf der Nadel?
  • 10. Entfallen alle Nacharbeiten, weil der Pullover rundgestrickt ist?
  • Fazit

1. Welche Rundstricknadeln sind die richtigen?

Vielleicht denkst du jetzt: „Ist doch egal, Hauptsache Rundstricknadel.“ Aber ganz so einfach ist es (leider) nicht. 

Seillänge

Zuerst ist es ratsam, die Seillänge zu beachten. Als Seil bezeichnet man den schnur-artigen Teil zwischen den Nadelspitzen, der meist aus Kunststoff ist. 

Zwar ist es prinzipiell egal, ob du eine Nadel mit 40, 80 oder 120 cm einsetzt. Denn das „In-Runden-Stricken“ funktioniert, sobald du deine Maschen immer im Kreis herum abstrickst.

Allerdings sind gerade bei rundgestrickten Pullovern zum Teil eine große Menge an Maschen in einer Runde. 

Schauen wir uns an, was passiert, wenn diese vielen Maschen mit einer zu langen oder zu kurzen Rundstricknadel gestrickt werden:

Zu kurzes Nadelseil

→ Die Maschen (und das Gestrick darunter) sehr stark zusammengedrückt, um nicht zu sagen gequetscht. Dadurch entstehen Falten im Gestrick, die je nach Material deines Strickgarns dauerhaft oder schlecht zu entfernen sein können.

→  Außerdem besteht die Gefahr, dass einige (oder viele) Maschen den Weg des geringsten Widerstandes gehen – und von der Nadel rutschen. Die wieder einsammeln zu müssen, hat wenig Spaßiges an sich.

Zu langes Nadelseil

→  Da zwischen den einzelnen Maschen zu viel Platz ist, wird das Gestrick zu locker, es können sogar die sogenannten Leitern (Faden zwischen zwei Maschen) deutlich hervortreten.

→ Oder man kämpft mit dem Verschieben der Maschen auf der Nadel, weil man immer gegen die Dehnung arbeitest. 

(Ich kenne diesen Fehler aus eigener Erfahrung, damals in der Anfängerphase).

Tipp:

Lege dir mindestens ZWEI verschiedene Seillängen pro Nadelstärke zu. Möglichst mit dem gleichen Nadelmaterial, damit du bei Bedarf schnell zwischen den zweien hin und her wechseln kannst.

Du kannst dann sogar im Bedarfsfall beide Nadeln gleichzeitig einsetzen. Das kann hilfreich sein, wenn du einen Pullover von unten beginnend (bottom-up) mit Rundpasse strickst.

Ein typisches Beispiel:

Die 80 cm Nadel ist ideal für den Körperteil (Rücken- und Vorderteile), die 40 oder 60 cm Nadel für die Ärmel. 

Dann folgt der Übergang zum Passenbereich: nun sind sämtliche Maschen von Vorder- und Rückenteil plus zwei Ärmeln auf der Nadel.

Du kannst dir sicher denken, dass die 80 cm Nadel nicht all die zusätzlichen Maschen aufnehmen kann. 

Darum solltest du jetzt auf eine deutlich längere Nadel wechseln (mindestens 120 cm) oder du bringst die kürzere Nadel zusätzlich in die Runde ein. 

Seilmaterial und Seildicke

Manchmal ist auch das Seilmaterial der Unterschied zwischen Qual und Freude. So hübsch ein farbiges Seil auch aussehen mag — es ist nicht automatisch die beste Wahl.

Ich rate dir, dich besser auf dein Gefühl zu verlassen. Weiche Seile lassen die Maschen schön geschmeidig gleiten. Das ist perfekt, wenn du dünnere oder steifere Garnqualitäten verstricken möchtest.

Allerdings fehlt dir diese Festigkeit bei einem dicken Pullover mit entsprechendem Wollgewicht. Das Nadelseil hängt deswegen schlapp und ohne Widerstand herunter. Und leider bekommst du dabei auch noch zusätzlichen Zug und Belastung auf deine Handgelenke.

Also, Seildicke und Seilmaterial sollten zur Nadeldicke und zum Garn passen. Das ist meines Erachtens ein wichtiger, oft unterschätzter Punkt. Und ein Problem, das du leicht vermeiden kannst.

Nadelspiel oder Rundstricknadeln?

Ich hatte schon erwähnt, dass bei rundgestrickten Pullovern auch die Ärmel in Runden gestrickt werden. 

Das ist eine gute Gelegenheit, mit wenigen Maschen und bei mittlerer Nadelstärke mal das Stricken mit 4 (oder 5) Spielnadeln auszuprobieren.

Dieser Gedanke jagt dir keinen Freuden-, sondern einen Panikschauer über den Rücken? Keine Sorge, denn die gute alte Rundstricknadel kann noch mehr.

Gerade hatten wir das Problem „Seil zu lang“ besprochen. Wenn du nun am Anfang des Ärmels nur wenige Maschen auf der Nadel hast, müsste die Rundstricknadel super-kurz sein. 

Das Problem: es gibt keine so kurzen Rundstricknadeln!

Das ist bauartbedingt. Wird das Seil zwischen den Nadelspitzen zu kurz, lassen sich die Spitzen nicht mehr richtig bewegen. Das Stricken wird zur Unmöglichkeit.   

Wenn du also auf Rundstricknadeln setzen möchtest, kommt die „Magic Loop“ Methode gerade recht. 

Hier zieht man immer wieder die überschüssige Nadelseil-Länge zu einer Schlaufe (loop), und strickt ansonsten gewohnt in Runden. 

Eine kleine Lernkurve gibt es schon, aber es ist eine coole Technik, die du immer wieder nutzen kannst. Verständlich erklärt, finde ich, in diesem YouTube-Video von Maschenmarie.

2. Was sind Maschenmarkierer und wieso benötige ich sie?

In vielen Anleitungen für rundgestrickte Pullover begegnet dir dieses Wort immer wieder: Maschenmarkierer.  

Das hat seine guten Gründe. Denn es gibt kein Reihenende, das dich darauf aufmerksam machen könnte, falls sich etwas ändert. So schön es ist, im Rundstrick-Flow zu sein, man verliert schnell den Überblick. 

Wenngleich du beim Schließen zur Runde einen schönen langen Faden als Markierung hast, gerät der später aus den Augen. Nach etlichen cm und Runden wird es immer anstrengender, diesen sogenannten Rundenbeginn genau zu bestimmen.

Maschenmarkierer übernehmen beim Rundstricken wichtige Hilfestellungen:

  • Markiert den Rundenanfang
  • Erleichtert das Zählen der Runden
  • Visuelle Aufteilung der „Teile“ (Vorderteil, Rückenteil und Ärmel) im Bereich der Schulter bzw. Schulterpasse
  • Markieren von Stellen mit Zunahmen und Abnahmen (z. Bsp. Schulter)
  • Markieren von Wiederholungen bei Mustern (Rapport)
  • Markieren von Farbwechseln, z. Bsp. bei Streifenmustern

Es gibt eine bunte Welt von Maschenmarkierern, die sich vom Aufbau in zwei Gruppen aufteilen lassen: geschlossene und offene (auch verschließbare genannt).

Grundsätzlich benötigst du beide Typen, je nachdem, was du markieren möchtest.

Geschlossene Maschenmarkierer in grün und lila
Offene Maschenmarkierer bunt
Offene Maschenmarkierer in grün und lila
Maschenmarkierer von CLOVER (links: geschlossen; rechts: offen),
von PONY (Mitte: offen und verschließbar)

Geschlossenen Maschenmarkierer

Die geschlossenen Maschenmarkierer setzt du auf der Nadel ein. Und sie bleiben zwischen bestimmten Maschen auch immer auf der Nadel. 

Sie werden in jeder Runde von der linken auf die rechte Nadelspitze verschoben, und zwar während die Masche links vom Maschenmarkierer (MM) abgestrickt wird.

Du verwendest sie für den Rundenanfang und für die visuelle Aufteilung der Teile, sowie für das Markieren von Stellen mit Zunahmen oder Abnahmen.

Wichtig: sie müssen frei beweglich bleiben. Das solltest du gelegentlich prüfen. Wenn du sie fest mit einstrickst, hilft später nur noch Herausschneiden.

Offene oder verschließbare Maschenmarkierer

Wie der Name schon sagt, sind diese Maschenmarkierer verschließbar. Das bedeutet, sie können im Gestrick überall eingehängt oder eingehakt werden. Und lassen sich jederzeit spurlos entfernen, durch Öffnen des Verschlusses.

Benutzen kannst du sie für alle Zählhilfen. Ob das nun die Wiederholung eines Musterrapports ist, bei der du meist die erste Reihe je Muster markierst. Oder um den Überblick über die Rundenzahl zu behalten, kannst du dir einen MM in jeder 4., 5. oder 10. Reihe setzen (je nach Garnstärke).

Tipp:

Du kannst verschließbare Maschenmarkierer auch noch wie geschlossene MM verwenden.  Umgekehrt geht das leider nicht.

Also, wenn du in Runden strickst, sind Maschenmarkierer eigentlich deine neuen ‚BFF‘ („best forever friends“) oder die berühmten Heinzelmännchen. Und damit kannst du ganz einfach das Problem, bei rundgestrickten Pullovern den Überblick zu verlieren, vermeiden!

3. Welche Informationen brauche ich aus dem Schnittmuster der Anleitung?

Du weißt sicher, dass alle Längen und Breiten hier stehen. Also, wie lang der Pullover sein wird und welchen Umfang er hat. Bei der Gelegenheit kannst du überprüfen, ob die Angaben den Umfang betreffen oder ob Vorderteil und Rückenteil separat bemaßt wurden.

Ich muss noch einmal sagen, dass die Passform wichtig ist. Die angegebenen Konfektionsgrößen müssen nicht deinen Maßen entsprechen! 

Solltest du unsicher sein, nimm einen bequemen Pullover aus deinem Kleiderschrank und messe ihn:

  • Rückwärtige Länge: dazu das Maßband unterhalb des Halsbündchens mittig aufs Rückenteil auflegen (Rückwärtige Mitte: Punkt RM)
  • Breite auf Brusthöhe (breiteste Stelle)
  • Schulterbreite

Vergleiche nun diese gemessenen Werte mit der Anleitung. Bei welcher Größe stimmen deren Werte am besten mit deinen überein? Achte da vor allem auf Brust- und Schulterbreite.

Entscheide dann, welche Schnittbild-Größen für dich am geeignetsten sind.

4. Was ist die Schwierigkeit mit Ärmeln bei der top-down Methode?

Warum solltest du bei rundgestrickten Pullovern darauf achten, dass die Ärmellänge nicht zum Problem wird? Auch im Fall, dass du am Halsbündchen startest (top-down), bist du zwar flexibel, aber nicht völlig frei.

Denn die Länge kannst du zwar beim Stricken anpassen, allerdings sind Ärmel meistens keine Schläuche! 

Sie haben am Bündchen einen anderen Umfang als an der Schulter oder Achsel. Weil die meisten menschlichen Arme auch diese Form haben: am Handgelenk schmaler als am Oberarm.

Je nach Strickrichtung arbeitest du entweder Zunahmen oder Abnahmen. Und diese sind meist gleichmäßig über die Ärmellänge verteilt. Das musst du berücksichtigen, wenn du den Ärmel kürzt oder verlängerst. 

Die gute Nachricht ist: Das Umverteilen der Abnahmen auf mehr oder weniger Runden ist meist nur eine kleine Rechenaufgabe.

Worauf du ebenfalls achten solltest:

Die vorgegebenen Ärmellängen sind meist so berechnet, dass Musterrapporte zahlenmäßig aufgehen. Willst du die Länge ändern, solltest du darauf achten, dass Muster und Länge zusammenpassen. Falls nötig, kann das Bündchen verlängert oder gekürzt werden, damit die Gesamtlänge stimmt.

Tipp:

Deine Armlänge ist nicht gleich der Anleitungs-Ärmellänge!

Deine Armlänge kannst du am Körper oder einem gut passenden Pullover messen. Dann vergleichst du die Armlänge mit deinem gewählten Modell – Ärmellänge plus ½ Rückenteil-Breite.  Hier sollte das gleiche Ergebnis herauskommen.

Messen am Körper:

→ Lege das Maßband von Handgelenk zu Handgelenk über den Rücken am Halsansatz-Knochen. Dieser Wert halbiert oder „geteilt durch 2“ ist deine Armlänge.

Messen am Pullover:

→ Lege das Maßband am Rückenteil über den Punkt RM von Handgelenk zu Handgelenk. Dieser Wert halbiert oder „geteilt durch 2“ ist deine Armlänge.

5. Welche Anschlagsart soll ich für das Bündchen nehmen?

Auch wenn du noch keine erfahrene Strickerin bist, kennst du wahrscheinlich den sogenannten Kreuzanschlag. Der heißt so, weil die zwei Fäden verkreuzt und werden und dadurch eine Masche entsteht.  

Im Englischen heißt dieser Klassiker „long-tail cast-on“, weil der Anschlags-Faden (der nicht vom Knäuel kommt) eigentlich ein relativ langer Schwanz ist.

Fadenlänge

Und genau das kann problematisch sein, wenn du viele Dutzend Maschen auf einen Schwung anschlagen sollst. Denn WIE lang soll der Faden sein? 

Um das zu bestimmen, nutze ich die 10-Maschen-Anschlag-Methode.

Dabei werden zehn Maschen in der gewohnten Art und Weise angeschlagen. Dann das Ende des Anschlags markieren: mit kontrastfarbigem Filzstift oder durch Festhalten. Diese Fadenlänge wird dann vervielfacht, bei 120 Maschen also dann noch elfmal.

Im Zweifel lässt du den Faden besser zu lang. Lieber etwas Garn verschwendet, als Dutzende Maschen erneut anschlagen zu müssen.

Gleichmäßigkeit und Festigkeit

Eine gute Gleichmäßigkeit ist bei diesem komplexen Anschlag von Bedeutung. Die ist zwar auch Übungssache, aber nicht ausschließlich!

Wichtig ist, sich bewusst zu sein, die Fadenspannung und Bildung der Schlinge möglichst gleichbleibend zu halten. Dann stellt sich fast von selbst ein Rhythmus, um nicht zu sagen Flow, ein.   

Ziehe den Faden, der die Schlinge bildet, nicht ganz fest zu. Zum einen wird der Anschlag sehr eng und unelastisch, was nicht gut für ein Bündchen ist. Zum anderen musst du sonst sehr kämpfen, um die Maschen der ersten Reihe abstricken zu können.

Alternativer Anschlag – das Aufstricken

Wenn dir das zu mühsam erscheint, kann ich dir eine alternative Methode empfehlen, bei der du keinen langen Anfangsfaden hast. Folglich kann dir der Faden auch nicht ausgehen, daher der Name unendlicher Anschlag.

Das Besondere: du strickst den Anschlag mit zwei Nadeln, anstatt den Faden über die Finger auf eine Nadel gleiten zu lassen. Ich nenne diese Technik Aufstricken.

Es lohnt sich, diese Technik zu lernen! Du kannst sie nämlich auch da einsetzen, wo zusätzliche Maschen aufgenommen, genauer gesagt aufgestrickt werden müssen.

Dieses Video zeigt dir, wie es richtig gemacht wird.

Provisorischer Anschlag – die flexible Anschlagsmethode

Hast du dir schon mal gewünscht, die erste oder die ersten Reihen oder Runden wieder aufmachen zu können? 

Vielleicht, weil dir das Bündchenmuster nicht gefällt oder du die Farbe ändern möchtest? Möglich auch, dass sie zu kurz oder zu lang geraten sind.

Diese Möglichkeit kannst du dir von vornherein sichern, indem du die Maschen mit einem provisorischen Anschlag anschlägst. Der einzige Wermutstropfen: du kannst ihn nicht so lassen. Er muss auf jeden Fall noch richtig abgekettet werden.

Zähl-Tipp für alle Methoden

Da du viele (!) Maschen aufnehmen musst, kann das Maschenzählen zu einer zähen Angelegenheit werden. Dies ist ein sehr typisches Problem bei rundgestrickten Pullovern.

Nutze Fadenschlaufen oder Maschenmarkierer, um dir immer nach 10 oder 20 Maschen eine Zählhilfe zu setzen. Das erspart dir, jede einzelne Masche erneut zählen zu müssen, wenn du mal den Faden verlierst …

6. Welche Art von Zunahmen und Abnahmen muss ich machen?

Es gibt keine falschen Zunahmen oder Abnahmen, sondern nur welche, die zum Projekt passen oder nicht!

Grundsätzlich gibt es

  • Offenen Zunahmen, bei denen ein Loch zusammen mit der neuen Masche entsteht (durch einen Umschlag o. Ä.). Diese Zunahmen sind auffällig und werden auch gerne als Musterung verwendet, wie an Ärmel- und Schulterschrägen.
  • Geschlossene Zunahmen, bei denen neue Maschen aus dem „Nichts“ oder mehrere Maschen aus einer entstehen. Sie sind eher unauffällig, da kaum sichtbar.
  • Geneigte Zunahmen, bei denen der Maschenkopf im Gestrick nach links oder rechts abkippt. Sie sind sehr beliebt, um bestimmte Bereiche im Pullover zu betonen. Sie werden meist paarweise gespiegelt gearbeitet. Du findest sie an Raglan-Schultern.

Das Äquivalent für die geschlossenen und geneigten Zunahmen gibt es auch als Abnahmen. Geneigte Abnahmen kommen beispielsweise bei der bekannten Bandspitze für Socken zum Einsatz.

Tipp:

Nimm dir etwas Zeit und lerne jeweils eine Art offene, geschlossene und geneigte Zunahmen. 

Du wirst sie immer wieder brauchen können, nicht nur für dieses Projekt! Sie gehören definitiv in deinen Strickerinnen-Werkzeugkasten!

7. Was sind verkürzte Reihen und wofür sind sie relevant?

Lange Zeit hatte ich einen Riesenrespekt vor dieser Technik. 

Dabei ist das Prinzip lediglich, dass eine Reihe wird nicht, wie sonst üblich, von der ersten bis zur letzten Masche gestrickt.

Je nach Notwendigkeit, mittendrin oder an den Rändern, werden die Maschen über einige Reihen (oder Runden) nicht gestrickt … während der Rest „normal“ weiter gestrickt wird.

Was erreicht man mit dieser Art des Strickens? 

Damit kann man alle möglichen Formen erzeugen – zusätzlich zu den sonst üblichen. Sogar Dreidimensionalität, wie z. Bsp. bei einer Sockenferse.

Generell werden verkürzte Reihen bei Pullovern dort eingesetzt, wo es um eine gute Passform geht:

  • Schultern
  • Nackengegend
  • Oberweite
  • Taillenbereich

Überall da, wo man mehr „Material“ benötigt, damit es gut passt – das aber mit den normalen Abnahmen und Zunahmen nicht machbar ist.    

Häufig ist in der Modell-Anleitung beschrieben, welche Methode du verwenden sollst, um die verkürzten Reihen zu erzeugen. 

Kein Grund zum Verzweifeln, wenn du mit der vorgeschlagenen Methode nicht klarkommst. In den meisten Fällen sind die verschiedenen Methoden austauschbar – wobei du besser bei einer einheitlichen Methode pro Projekt bleiben solltest.

Dies sind die drei häufigsten Techniken für verkürzte Reihen:

  • Verkürzte Reihen mit Doppelmaschen (dabei musst du die Maschen am Wendepunkt wirklich fest anziehen!)
  • Verkürzte Reihen mit Umschlag (mache den Umschlag entgegen der normalen Richtung, damit er schön fest wird) – mein Favorit
  • Verkürzte Reihen mit Wickelmaschen (im Englischen wrap-and-turn)  

In diesem kleinen Workshop sind die drei Methoden super bebildert und beschrieben.

8. Wieso sind Runden nicht das Gleiche wie Reihen?

Gute Frage! Es ist schon sehr unterschiedlich, ob man etwas in Reihen oder Runden strickt. 

Beim Rundstricken ist dein Gestrick bei glatt rechts gleichmäßiger, weil du nur rechte (und keine linken) Maschen strickst – also eigentlich kein Problem, sondern ein Vorteil bei rundgestrickten Pullovern. Aber die Maschendichte ist meistens ein wenig anders.

Zudem strickst du in der Runde eigentlich eine Spirale, die sich anders verhält als ein flach gestricktes Teil. 

Beim industriellen Rundstricken hat diese Besonderheit sogar einen offiziellen Namen: Drehneigung. 

Gemeint ist das Verdrehen der vertikalen Maschenreihen gegenüber der Senkrechten. Im Extremfall verlaufen dadurch Ringel und Streifen nicht waagerecht, sondern schräg bis diagonal.

Diesen Versatz kannst du selbst auch bei Streifen- und anderen Musterwechseln sehen. Am Übergangspunkt ist er wie eine kleine Treppenstufe sichtbar. Völlig vermeiden lässt sich der Versatz nicht, weil er durch die Strickkonstruktion entsteht. Er gehört dazu.

Allerdings kannst du darauf achten, wo genau diese Stelle des Übergangs von einer Runde zur nächsten liegt! Und zwar dort, wo es möglichst unauffällig, gewissermaßen versteckt, gemacht werden kann.

Viele Anleitungen empfehlen den Rundenbeginn in der Mitte des Rückenteils. Wenn du lange Haare hast, können die dabei helfen, den Versatz zu verdecken.

 Eine andere Möglichkeit ist, ihn in den Seitenbereich zu legen (wo sonst die Seitennaht wäre). Beim Ärmel eignen sich die Ärmelunterseite am Besten.

Eine andere Möglichkeit ist, dass du den Übergangspunkt dahin legst, wo er dich persönlich am wenigsten stört. 

Vielleicht im Bereich der Abnahmen oder Zunahmen einer Raglan-Schrägung? Wichtig ist, dass du diesen Punkt konsequent beibehältst. Und dabei den Maschenmarkierer nicht vergisst!

9. Wie behalte ich den Überblick bei der großen Zahl von Maschen und Reihen auf der Nadel?

So groß die Vorteile des Rundstrickens sind, einen Nachteil gibt es schon:

Nämlich, den Überblick zu behalten, gerade wenn du schon einen Großteil des Pullovers gestrickt hast.

Das Messen mit einem Maßband ist meist ohnehin schwierig, weil Ausbreiten und flach Hinlegen nicht möglich ist. Deshalb ist es zu ungenau und nicht empfehlenswert.

Tipp:

Lieber Zählen, anstatt Messen!

Nutze dazu die Reihenzahlen aus deiner Maschenprobe. Die Umrechnung der cm-Werte aus der Anleitung in deine korrekte Rundenzahl ist dann ganz einfach. Du kannst dafür auch diese Berechnungsblätter nutzen.

Welche Maschenmarkierer es gibt und wie du sie verwenden kannst, haben wir uns schon bei 2. Was sind Maschenmarkierer und wieso brauche ich sie? angeschaut.

Ich nutze die vielen verschiedenen Farben meiner Maschenmarkierer gerne „sprechend“.  Grün ist Rundenanfang  Rot ist Übergang von einem „Teil“ zum nächsten (Vorderteil – Ärmel, Ärmel – Rückenteil)  

Für das regelmäßige Zählen der Runden empfehle ich dir die folgende Methode. 

Je nach Garnstärke arbeite ich mit verschließbaren Maschenmarkierern in jeder 4. oder 5. oder 10. Reihe. Damit mir die MM ins Auge fallen, wähle ich immer eine Kontrastfarbe zum Strickgarn.

Natürlich eignen sich auch (kleinere) Musterrapporte super als Zählhilfe. Markiere einfach immer die erste Reihe des Rapports.

Mit diesen geschickt gesetzten Maschenmarkierern geht dann das Zählen zügig. So behältst du zuverlässig den Überblick.  

Tipp:

Markiere dir alle Fehlerstellen, bevor du zurück strickst oder aufribbelst!

Gerade weil man so viele Maschen pro Runde hat, ist es doppelt schmerzhaft, wenn man einen Fehler nicht gleich entdeckt und behebt. Denn das bedeutet auch deutlich mehr Maschen auftrennen zu müssen, um zum Fehler zurückgehen zu können.

Damit du dabei nicht übers Ziel hinausschießt, nutze einen Maschenmarkierer als visuelle Bremse! Setze ihn in Auftrenn-Richtung vor den Fehler, also links davon, damit du rechtzeitig anhältst.

10. Entfallen alle Nacharbeiten, weil der Pullover rundgestrickt ist?

Leider nein. Aber die gute Nachricht ist: das zeitaufwendige Zusammennähen entfällt. Kein mühsames Nähen und Obacht geben, dass die Teile sich dabei nicht verziehen.

Falls du allerdings mit verschiedenen Farben und Garnen gearbeitet hast, kommst du hingegen nicht ums Fäden vernähen herum. 

Ob als Streifen, Fair Isle, Norwegermuster oder wie sie alle heißen. Und das ist bedauerlicherweise sogar etwas umständlicher.

Der Pullover muss komplett auf links gezogen werden, damit du die Fäden auf der Rückseite gut vernähen kannst. Nun liegt also das vollendete Teil vor dir und muss am Stück bearbeitet werden.

Am besten gehst du nun systematisch vor. Zuerst alle Fäden am Vorderteil vernähen, dann ein Ärmel, als Nächstes das Rückenteil und zum Schluss der zweite Ärmel.

Ob noch Bündchen anzustricken sind, hängt vom Modell ab. Aber das ist wieder Stricken und daher ganz ok.

Was du auf jeden Fall machen solltest:

Zum Abschluss eine Naßbehandlung mit anschließendem In-Form-Trocknen. Generell solltest du dies sehr vorsichtig tun, denn im nassen Zustand sind die meisten Garne und Gestricke empfindlich gegen Verziehen.

Also bitte, kein Quetschen und Auswringen, sondern nur sanftes Ausdrücken in einem großen Handtuch!

Beim Trocknen hast du zudem die Möglichkeit, die Drehneigung zu korrigieren. Damit die Runden auch wirklich vertikal verlaufen und die Ärmel- und Taillenbündchen links und rechts auf der gleichen Höhe landen.

Fazit

Die Technik des Rundstrickens ist nicht kompliziert. Aber sogar bei einer einfachen Pulloverform können Fragen aufkommen oder Probleme auftreten.

Wichtig ist deshalb, sich im Vorfeld zu überlegen, wie man am besten den Überblick behält. Dazu solltest du Maschenmarkierer nutzen.

Mein Tipp:

Nimm dir auch etwas Zeit dafür, neue Techniken zu lernen. Beispielsweise „Maschen zunehmen und abnehmen“ oder „Verkürzte Reihen stricken“. Auch essenziell: alternative Anschlagsarten zu kennen.  Du kannst sie immer wieder einsetzen, daher lohnt sich der Aufwand.  

Generell sind es diese kleinen Dinge, die dir das Arbeiten an diesem rundgestrickten Projekt deutlich erleichtern können.


DIES IST EINER DER BLOGARTIKEL IN DER MINISERIE „RUNDGESTRICKTES“

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8. Oktober 2021 · Leave a Comment

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